Himmel, Hölle und Austern. Heine am Jungfernstieg.

Von erster Liebe und Erstausgaben für die Ewigkeit. Literarischer Spaziergang durch die Geschichte der ersten Hamburger Adresse.

An diesen Austern führt kein Weg vorbei. „Als Republik war Hamburg nie so groß wie Venedig und Florenz, doch Hamburg hat bessere Austern [..]“ schrieb Heinrich Heine 1844. Und die genoss der rebellische Dichter und Wahl-Pariser unter anderem am Alsterpavillon. Nur einen Steinwurf entfernt vom Stadthaus seines Onkels Salomon am Jungfernstieg.

Die erste Straße der Stadt war über die Jahrhunderte von einem Staudamm zu einem Prachtboulevard avanciert – und nicht erst seit dem 19. Jahrhundert ein Ausflugsziel für die Stadt: „Leute aus allen Ständen und Classen, Einheimische und Fremde, Reiche und Arme, Herren in runden Wolkenperücken und junge Elegants mit struppigen Titusköpfen, wohlbeleibte Damen und schlanke Nymphenfiguren, ehrbare Mädchen und Hetären, die auf den Fang ausgehen, Zuckerbäckerknechte und Dienstmädchen, alles wandelt hier in traulicher Eintracht untereinander".

Der Jungfernstieg war ein Ort der Premieren. Als Heiratsmarkt beliebt, um Kontakte anzubahnen für die erste und die zweite Liebe. Als Promenade, um sich zu erfrischen und in die erste Flussbadeanstalt Deutschlands (1793) einzutauchen. Als Boulevard, um sein Pferd über die erste asphaltierte Straße Deutschlands (1838) tänzeln zu lassen – und natürlich als erste Adresse, um den neuesten Heine zu lesen. Seine Reiseberichte waren Pageturner, sein „Buch der Lieder“ (1827) ein Bestseller – und drüben in der Buchhandlung Perthes & Besser, am Jungfernstieg 22, war alles vorrätig. Verlegt von Hoffmann & Campe, nur liberal zensiert in der Hansestadt.

„Wahr ist es ein verludertes Kaufmannsnest hier. Huren genug, aber keine Musen.“ Heines Beziehung zu Hamburg war Zeit seines Lebens (und davon verbrachte er immerhin sieben Jahre in der Stadt) von Hassliebe geprägt. Und dies von Anfang an – als der junge Düsseldorfer 1816 vom Rhein an die Elbe wechselte. Mit der inneren Berufung zum Dichter, aber der familiären Bestimmung zum Kaufmann. Nach seiner Ausbildung im Kontor des Bankhauses Heckscher & Co leitete er unweit vom Jungfernstieg in zentraler Lage eine Kommissionshandlung für englische Manufakturwaren: „Harry Heine & Comp“. Es war ein Outlet für alles, was sich in Düsseldorf nicht verkaufte. Diese Unternehmung zerschlug sich jedoch. Dann blieb die Liebe zu seiner Cousine Amalia unerwidert, die „saturierte Bürgerlichkeit“ im Hanseland erregte seinen rebellischen Geist.

Und doch! Hamburg blieb für ihn eine erstklassige Adresse, um gut zu essen. Um gut zu leben, zog er nach Paris – als Korrespondent für die „Augsburger Allgemeine“ – und verewigte den Jungfernstieg dennoch mit Wohlwollen in dem Band „Aus den Memoiren des Herren Schnabelewobski“: „Für Leser, denen die Stadt Hamburg nicht bekannt ist – und es gibt deren vielleicht in China und Oberbayern – für diese muß ich bemerken daß der schönste Spaziergang der Söhne und Töchter Hammonias den rechtmäßigen Namen Jungfernsteg führt, daß er aus einer Lindenallee besteht, die auf der einen Seite von einer Reihe Häuser, auf der anderen Seite von dem großen Alsterbassin begrenzt wird; [..] “

Der „Große Brand“ vom Mai 1842 sollte alles vernichten – die Buchhandlung, das Haus des Onkels, die Linden am Jungfernstieg – und ein Drittel der Hamburger Innenstadt. Als Heine Hamburg 1844 besuchte, sah er den Jungfernstieg in neuem Glanze. Ein mondäner Boulevard mit Streit’s Hotel und Sillem’s Bazar – alles überragt vom Telegraphenturm in der Poststraße. Das alte Hamburg war Vergangenheit: „[..] mein altes, schiefwinkliges, schlabbriges Hamburg!“ Nur der Alsterpavillon stand wieder.

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